Nach dem Kuckuck im Jahre 2008 haben der Naturschutzbund -NABU- under der Landesbund für Vogelschutz in Bayern -LBV- für das Jahr 2009 den Eisvogel zum Vogel des Jahres gekürt. Nach 36 Jahren wird dieser " Fliegende Edelstein" zum zweiten Male in dieser Form ausgezeichnet. Die Gründe von 1973 treffen auch heute noch zu, obwohl die Verhältnisse sich zu seinen Gunsten verbessert haben. Der Eisvogel ist ein Vogel naturnaher Gewässer. Sein Vorkommen ist abhängig von der Wasserqualität. Der Eisvogel ist ein Spiegelbild wertvoller Lebensräume, die sowohl für eine vielseitige Tier- und Pflanzenwelt, als auch für den Menschen einen hohen Stellenwert haben. Seine Anwesenheit ist ein Symbol für noch intakte Feuchtlandschaften , die in unserem Land leider noch Mangelware sind.
Kennzeichen
Unser heimischer Eisvogel hat in etwa die Größe eines Gimpels und ist somit eine der kleinsten Eisvogelarten. Keine andere am Wasser lebende Vogelart fällt durch ein so farbenprächtiges Gefieder auf, wie der Eisvogel. Die in blau und türkis schimmernde Oberseite steht in einem deutlichen Kontrast zu dem rostroten Bauch- und Brustgefieder. Männchen und Weibchen lassen sich nur an der Färbung des Unterschnabels unterscheiden. Im Gegensatz zum schwarzen Unterschnabel des Männchens ist der des Weibchens orangefarben. Der Eisvogel sitzt entweder auf einer Warte - Ast, Felsen, Gemäuer- über dem Wasser und späht nach Beute oder er schießt wie ein blauer Pfeil niedrig über das Wasser. Oft kündigt er seine Anwesenheit mit einem durchdringenden Pfiff an, den er im Flug ausstößt.
Verbreitung /Bestand
Der Eisvogel ist in fast ganz Europa vertreten. Lediglich im Norden Schottlands und im überwiegenden Teil Skandinavien fehlt er. Bis Mitte der 1970er Jahre waren die Bestände in ganz Europa durch Einschränkung der Lebensräume und Verfolgung deutlich geschrumpft. Durch die Renaturierung der Gewässer, Minderung der Gewässerverschmutzung, Schaffung künstlicher Nistplätze und Rückgang der Verfolgung durch den Menschen erholten sich die Bestände wieder. Derzeit wird der Europäische Bestand auf 80000 - 160000 Paare geschätzt. In Deutschland liegt der Bestand bei 5500 bis 8000 Paaren; in Nordrheinwestfalen, wo er nach wie vor zu den gefährdeten Arten gehört, bei 500 - 1000 Paaren.
In Dortmund ist der Eisvogel eine der seltensten Vogelarten. Bis zum Jahre 1948 gab es mangels fehlender Bruthabitate keine Hinweise auf Brutvorkommen. Erst mit der Renaturierung vieler Fließgewässer durch die Emschergenossenschaft und den Lippeverband verbesserten sich die Lebensbedingungen für den Eisvogel. Anfang des 21. Jahrhunderts wurde ein Bestand von 1 - 3 Paaren angenommen. - siehe Dortmunder Brutvogelatlas- Die verhältnismäßigen milden Winter der letzten Jahre haben sich darüber hinaus sehr positiv auf die Bestandsentwicklung ausgewirkt, so dass im Jahre 2008 der Bestand auf 5 - 10 Paare angewachsen ist. Neben den bekannten Brutplätzen am Hengsteysee und an der Schondelle kann der Eisvogel in fast allen Naturschutzgebieten und an den renaturierten Bachläufen beobachtet werden.
Nahrung
Der Eisvogel ernährt sich überwiegend von kleinen Fischen. Im Sommer erweitert er seine Speisekarte um Insekten, kleine Frösche und Kaulquappen.
Lebensraum
Als Lebensraum werden langsam fließende oder stehende Gewässer mit guten Sichtverhätnissen, einem artenreichen Angebot an Kleinfischen und Sitzwarten niedrig über der Wasseroberfläche bevorzugt. Der Brutplatz kann, weit von Gewässern entfernt liegen. Entfernungen über 100 Meter sind keine Seltenheit.
Fortpflanzung
Die Brutgeschäfte des Eisvogels beginnen Ende März / Anfang April. Das Nest wird in einer, meist selbst gegrabenen Höhle angelegt. Nach einer Brutzeit von 21 Tagen schlüpfen 6 - 7 Junge, die nach 23 - 27 Tagen ausfliegen. Zweitbruten sind normal. Letzte Gelege können noch im August versorgt werden. Nach Auflösung des Familienverbandes ziehen die Jungtiere weit umher und können dann an den unterschiedlichsten Gewässertypen angetroffen werden.
Gefährdung
Die Lebensräume des Eisvogels werden immer noch durch Wasserbaumaßnahmen der unterschiedlichsten Art, durch Verschmutzung der Gewässer und durch zunehmende Freizeitaktivitäten beeinträchtigt.
Schutzmaßnahmen
Die Bestände des Eisvogels können nur stabil bleiben, bzw. anwachsen, wenn das Angebot an naturnahen Gewässern erhalten und streng geschützt wird, sowie weitere Renaturierungen von Gewässern angestrebt und verwirklicht werden. Natürliche Brutwände im Uferbereich sind zu pflegen. Die Schaffung künstlicher Nisthöhlen, von Abbruchkanten an Gewässern und von Ansitzen bis 2 Meter über der Wasserfläche sind wertvolle Hilfen für den Eisvogel. Der naturnahe Ausbau der Emscher mit den vorgesehenengroßen Wasserrückhaltebecken bieten die einmalige Chance in Dortmund Eisvogelfreundliche Lebensräume zu entwickeln. Störungen während der Brutzeit durch Freizeitaktivitäten sollten weitestgehend ausgeschlossen werden- Schutzzone, Besucherlenkung.
Wir wollen hoffen, das zukünftig bei allen Planungen und Ausführungen die Lebensbedingungen des Eisvogels berücksichtigt werden, damit dieser fliegende Edelstein unsere Fauna weiterhin bereichert.
Der Stadtverband Dortmund im NABU will im Jahre 2009 das Vorkommen von Eisvögeln in Dortmund flächendeckend erfassen. Dafür wird eine große Zahl von Beobachtern benötigt. Wer daran mitwirken möchte, der melde sich bitte bei Reinhold Neugebauer Tel: 0231/468780. Informationsmaterial und Erfassungsvordrucke werden dann zugesandt.
Bericht von Reinhold Neugebauer
Link zu den Eisvogeseiten beim NABU : http://www.nabu.de/aktionenundprojekte/vogeldesjahres/2009-eisvogel/